Nach knapp 18 Stunden und 45 Minuten war es geschafft – der Titan ist im der normalen Schwierigkeitsstufe gefallen. Man muss dazu sagen das ich mir ungewohnt viel Zeit genommen hab und die Karte auch bis in den letzten Winkel aufgedeckt und jede Höhle besucht habe. Naja, auf jeden Fall ist es nun Zeit für ein kleines Review, auch im Vergleich zu meinem Allzeit-Favorit Diablo 2.
Spielsystem
Titan Quest ist ein typisches Action-Rollenspiel, man klickt auf Monster und wartet bis sie tot umfallen. Das ganze ist sehr stark an Diablo 2 angelehnt. In fast jedem Spielelement findet man irgendwo Dinge wo man denkt “das kommt mir bekannt vor” (natürlich nur wenn man Diablo 2 kennt). Titan Quest bietet alles was zum Genre gehört… massig Monster, starke Bosse, viele einzigartige Items, abwechslungsreiche Quests und vor allem einen ordentlichen Spielfluss. Man hat eigentlich nie den Drang danach aus Langeweile aufzuhören weil es einfach ein extrem flüssiges Spielgefühl bietet. Außerdem macht die schöne Landschaft Lust die Karte bis ins kleinste Detail zu erkunden… ein Gefühl was ich nur bei wenigen Spielen habe.
Allerdings glaube ich nich das ich beim 2. oder 3. mal durchspielen immer noch diese Lust haben werde, denn die Karten sind halt immer gleich, nicht wie bei Diablo 2 zufallsgeneriert. Das nimmt etwas den Wiederspielwert, aber erhöht die Atmosphäre, weil diese statischen Karten viel detaillierter gestaltet sind als die aus Blöcken zusammengewürfelten Maps in D2.
Das Spiel gliedert sich in 3 Akte. Im ersten ist man in Griechenland unterwegs und kommt dann über Ägypten bis in den Orient und Asien; der finale Kampf findet dann — wie sollte es auch anders sein — auf dem Olymp statt. Das ganze kann man dann noch auf drei Schwierigkeitsstufen spielen (Normal, Episch, Legendär) — diese müssen allerdings erst freigeschaltet werden.
Charaktere
Statt einem Klassensystem, wie es die meisten Action-RPGs bieten, hat Titan Quest ein System aus Meisterschaften. Jeweils auf Level 1 und 8 wählt man eine Meisterschaft aus auf die man sich dann konzentriert. So kann man die verschiedensten Kombinationen ausprobieren, zum Beispiel Kriegsführung und Erdmagie für einen Kampfmagier. Insgesamt gibt es 8 Meisterschaften aus denen man wählen kann — sind also jede Menge Kombinationen möglich. Die Fähigkeiten in die man dann seine Punkte (3 pro Levelaufstieg) investieren kann sind eine gute Mischung zwischen Angriffen, Auren und passiven Fähigkeiten, die andere ergänzen.
An Charakterattributen gibt es bei Titan Quest nur Stärke, Intelligenz und Geschicklichkeit. Man hat auch die Möglichkeit seine Statuspunkte (2 Pro Levelaufstieg) in die Lebens-/Energiepunkte zu stecken, aber das ist eigentlich Verschwendung.
Items
Das Spiel bietet eine Menge abwechslungsreicher Items. Diese werden von Monstern und Kisten in verschiedenen Stufen gedroppt, angefangen bei normalen über magische bis hin zu sehr seltenen legendären Gegenständen. Die letzteren und die epischen Gegenstände haben alle einen einzigartigen Namen und entsprechende Eigenschaften und sind den normalen Sachen meist überlegen. Neben vielen Einzelgegenständen gibts auch Sets, die entsprechende Boni bieten wenn man mehrere Gegenstände einer Reihe besitzt.
Ein interessanter Fakt ist, dass die Monster nur Dinge fallen lassen die sie auch tragen. Es gibt also keine vergifteten Raben die riesige Schwerter fallen lassen oder so was. Das macht die ganze Sache etwas realistischer als zum Beispiel Diablo 2
Die gesammelten Gegenstände kann man auch mit Upgrades versehen, dafür gibt es verschiedene Relikte die von Monstern gedroppt werden. Allerdings kann man immer nur ein Relikt in einen Gegenstand stecken — und auch nur in normale, keine epischen oder legendären Items. Somit erschien mir diese Funktion als relativ sinnlos, denn wenn man ein paar Gute gefunden hat benutzt man eigentlich nur noch epische oder legendäre Gegenstände.
Ein oft bemängelter Umstand ist das Fehlen einer großen Schatzkiste. Das kann ich bestätigen, allerdings verläuft sich das mit der Zeit da man als Questbelohnungen zusätzlichen Inventarplatz bekommt. Zur Auslagerung von Items und zum Tausch auf andere Charaktere hab ich TQ Vault benutzt. Manche mögen das Programm vielleicht als Cheat oder sonst was bezeichnen, aber ich finde es okay.
Grafik & Sound
Wie schon erwähnt ist die schöne Landschaft einer der Motivationsgründe die für den Spielspaß sorgen. Die Grafikengine vollbringt hier eine tolle Leistung. Schöne Tag-Nacht-Wechsel bringen Atmosphäre in die antike Welt. Man merkt das sich die Entwickler sehr viel Mühe mit der Gestaltung der Karten gegeben haben und sehr detailverliebt gearbeitet haben.
Die Effekte der Fähigkeiten sehen auch relativ imposant aus, genauso wie die Monster und Charaktere die alle recht schön gestaltet und animiert sind. Überhaupt findet man in der ganzen Welt viele kleine Animationen und Spielerreien — so bewegt sich zum Beispiel das hohe Gras wenn man durchläuft.
Diese Grafikpracht fordert natürlich auch ihr Tribut — Titan Quest hat ziemlichen Hardwarehunger. Auf meinem Rechner (Athlon64 3200+, X1800XT, 1GB RAM) läuft es relativ gut auf 1280×1024 mit allen Details auf maximaler Stufe. Nur beim betreten von Höhlen und Dungeons kommt es manchmal zu massiven Framerateneinbrüchen, dann hilft allerdings ein kurzes ALT+TAB und es geht wieder… komisch.
Bei den Soundeffekten müssen ein paar Abstriche gemacht werden. Bei Gesprächen mit NPCs gibt es öfters mal Tonaussetzer, genauso bei der Hintergrundmusik. Letztere ist größtenteils völlig austauschbares 08/15-Gedudel… gegen Ende wird sie allerdings besser.
Multiplayer
Der Multiplayerpart ist für mich die große Enttäuschung. Titan Quest bietet nämlich kein mit Blizzards Battle.net vergleichbares Serversystem. Man kann sich zwar mit Leuten zum Spielen verabreden, aber die Spiele werden von einem der Teilnehmer gehostet, die Charaktere liegen auf den Clientrechnern — ne Menge Spielraum für Manipulationen und Cheats usw. — wie das open Battle.net halt.
Daher taugt der Titan Quest Multiplayer meiner Meinung nach höchstens für Spiele unter Bekannten oder LAN-Partys… letzteres wird der squirrel.gaming-Clan auf der nächsten LAN mal ausgiebig testen
Fazit
Die große Frage ist nun ob Titan Quest meinen Genrefavoriten Diablo 2 schlagen kann, vor allem in Sachen Langzeitmotivation. Gerade in diesem Punkt verliert ersteres leider aufgrund der fehlenden Spielplattform… ich habe Diablo 2 gut 3 Jahre online gespielt, das wäre sicher nicht passiert wenn es das closed Battle.Net nicht gegeben hätte. Klar macht es Spaß Titan Quest im Singleplayer durchzuspielen, vielleicht auch 3 oder 4 Mal, aber dann ist einfach irgendwann Schluss.
Für Leute die solche Spiele gern im Internet spielen ist es also nur bedingt zu empfehlen… für jeden der sich gern mal ein paar Wochen mit einem schönen süchtig-machenden Singleplayer-Rollenspiel befasst ist es aber auf jedenfall zu empfehlen — vor allem kostet der ganze Spaß nur 35€, damit 15€ billiger als die meisten Spiele oO
Als Spiellängeneinschätzung würde ich 80-90 Stunden geben. Für einmal durchspielen habe ich wie gesagt knapp 19 Stunden gebraucht, macht also ungefähr 60 Stunden wenn man mit einem Charakter durch die 3 Schwierigkeitsgrade spielt — und bei einem Charakter bleibt es ja meistens nicht.
Ein Wort noch zum Kopierschutz: Titan Quest benutzt SecuROM 7, welches sehr allergisch auf Emulationssoftware wie Daemon-Tools reagiert. Einfaches deaktivieren hat auch nich geholfen… musste es deinstallieren. Find ich sehr unschön.
Naja, das wars erstmal dazu. Wenn sich später noch ein paar Dinge beim Spielen ergeben werde ich dann gegebenenfalls nochmal dazu schreiben, aber das hier reicht erstmal als Ersteindruck denke ich.

