Siebzigtausend Euro Entwicklungskosten.
Gestern war ein recht netter junger Herr bei sternTV. Er stellte eine Software vor, die es übervorsichtigen Eltern erlaubt, den PC, an dem ihre minderjährigen Kinder spielen, nach bösen Killerspielen und anderen nicht für ihr Alter zugelassenen Spielen durchsucht.
Soweit, sogut. Klar, das er bei der ganzen Killerspiel-Debatte dafür direkt einen fünfminütigen Einspieler und danach noch etwas Live-Vorführung im Studio bekommt. Ein paar besorgte Eltern werden seine die Software, die er für 25€ anbietet, sicher kaufen. Im Studio sprach er von 70.000€ Entwicklungskosten. Interessant. Er muss also 2800 Exemplare verkaufen um diese Kosten wieder reinzukriegen.
Als besonderen Service für sternTV-Zuschauer gibt es auf der Webseite auch noch eine Art Demoversion der Software zum downloaden, die lediglich anzeigt, wieviele Spiele der entsprechenden USK-Einstufungen auf dem Rechner vorhanden sind. Die Vollversion ist dann in der Lage diese Spiele zu deinstallieren. Wow.

Demoversion des Programms
Jedenfalls habe ich die Demo-Version mal heruntergeladen und angesehen. Die ganze Sache scheint in Ruby entwickelt zu sein und benutzt IronRuby als Implementierng. Hab ich daran gemerkt, dass der Hauptquellcode in Form normaler .rb-Dateien dabeiliegt. Die extrem umfangreiche Titeldatenbank ist in Form einer SQLite-Datenbank natürlich auch enthalten. Sie umfasst ganze 378 Titel — irgendwie nur ein Bruchteil der USK-Datenbank. Jedenfalls durchschaut das Skript nur schnell die “Liste der installierten Software” in der Windows-Registry und guckt ob irgendwelche bösen Titel aus der Datenbank enthalten sind.
Im Beitrag wurde gezeigt, wie schnell sich die Kindersicherung der Xbox360 durch einen einfachen Werkseinstellungs-Reset aushebeln lässt — ich glaube nicht, dass es länger dauert den entsprechenden Registry-Eintrag zu löschen um das Spiel “unsichtbar” zu machen.
Jeeedenfalls, um zum Thema zurück zu kommen. Ich frage mich ersthaft wie der damit auf Entwicklungskosten von 70.000€ kommt. Vielleicht hat er ja nur etwas übertrieben. Ansonsten wäre es wirklich ein ziemlich guter Stundenlohn bei geschätzten 3-4 Stunden Entwicklungszeit. Aber vielleicht verlangt ja auch die USK 65.000€ zur Verwendung von 378 Datensätzen aus ihrer Datenbank, wer weiß.
Ich glaub, ich hätte da einige Ideen, wie man das Programm wesentlich komfortabler und effizienter gestalten könnte. Aber ich hab gerad keine Lust verklagt zu werden, daher lass ich das lieber mal und wünsche dem jungen Mann viel Glück beim Verkaufen seiner Software.


