Als ich hörte, dass es 2018 eine neue Show von Stefan Raab geben wird, war ich, als alter Fanboy, natürlich erstmal kurzzeitig in einen gewissen Hype-Zustand versetzt. Dieser hielt etwa 20 Sekunden an, bis ich las, dass er nur als Produzent an der Show beteiligt sein wird. Was machen Produzenten schon. Ich will Stefan Raab sehen! Naja.

Nun ist es 2018 (Ja, wirklich. Sorry, an alle, die noch auf den 2017er (und 2016er) Jahresrückblick warten, der natürlich pünktlich Ende Dezember hätte erscheinen sollen!) und die Show ist gelaufen und ich fühle mich genötigt einen Blogpost dazu zu schreiben, weil, immer wenn was schlecht ist, muss man sowas machen.

Das Unheil begann schon mit der ersten Folge. Irgendjemand hat wohl entschieden, dass das ganze Ding, wahrscheinlich wegen den nicht unbedingt fernseh-erprobten ErfinderInnen und Erfindungen, bei denen bestimmt ab und zu was schief läuft und kaputt gehen kann, lieber auf eine Aufzeichnung zu setzen. Wenn man Raab-Shows gewöhnt ist, ist das erstmal direkt ein großer Downer, denn diese lebten ja gerade von dem, was in der Live-Show vielleicht schief ging.

Statt irgendein Risiko einzugehen waren die ersten vier (oder mehr?? Keine Ahnung) Folgen nun eine relativ langweilig und -atmig herunterproduzierte Aneinanderreihung von mehr oder weniger spannenden Erfindungen. Gefühlt passierte nichts. In einem kurzen Einspieler wurden die KandidatInnen vorgestellt, danach gabs ein kurzes Gespräch mit der Jury, die immer alles ganz toll fand und manchmal Sachen ausprobierte, was aber eher zu Fremdschämen führte, als zu guter Unterhaltung. Es gab sogar kackende Hundebabys, wie bei der Höhle der Löwen!

Jetzt kann man natürlich sagen, dass Die Höhle der Löwen auch ein vorproduziertes Format ist und keine Live-Show. Ja, okay, aber es versucht auch keine Samstag Abend-Familienunterhaltung mit Studiopublikum zu sein und nutzt den Vorteil, dass sie wahrscheinlich wesentlich mehr aufzeichnen, als am Ende ausgestrahlt wird so gut, dass am Ende eine relativ spannende Sendung dabei rauskommt.

Klar sind viele der Erfindungen bei DHDL auch nicht mega spannend, aber dann kann man sich wenigstens mit angucken, wie Frank Thelen die GründerInnen ordentlich in die Pfanne haut — und sich am Ende darüber freuen, dass der Dümmel doch einsteigt, weil man auch keine Katzenkackeschaufel wunderbar in 10.000 Regale legen kann.

Gestern lief nun das Finale. Ich hatte nach den Shows vorher schon keine große Hoffnung, dass sie damit noch viel raus reißen, dachte mir aber, dass ja vielleicht noch irgendetwas lustiges passiert. War ja dann immerhin live.

Im Endeffekt war es eine dreistündige Sendung, die zu 80% aus Einspielern bestand. Jede der Final-Erfindungen wurde nochmal kurz vorgestellt, danach gab es noch ein kurzes Making Of des Werbespots, welcher für jedes Produkt gedreht wurde.

In den fünf Minuten Live-Talk mit den KandidatInnen wurde dann noch kurz abgecheckt, wie viele Vorbestellungen eingegangen sind (Frank Thelen würde sich im Grab umdrehen, so schlecht skalierbar, wie all die Erfindungen waren). Am Ende gabs dann noch die Werbespots, die irgendwo zwischen o-kay, und cringy waren.

In der allerletzten Finalrunde wurden dann noch die verbliebenen vier Erfindungen in den ausführlichen Praxistest geschickt, zum Beispiel durfte eine Zuschauerin aus dem Publikum den faltbaren Autoanhänger zusammenfalten. Was für ein Erlebnis.

Immerhin hat dieser Anhänger am Ende auch gewonnen. War schon keine schlechte Erfindung, da kann man nichts sagen. Allgemein waren die Dinge, die ins Finale kamen, alle schon irgendwie gut — allesamt hätten sie aber einfach eine bessere, unterhaltsamere Show verdient. So besonders gut können die Quoten auch nicht gewesen sein, getwittert hat nämlich gefühlt keiner darüber.

Was an der Show war nun Stefan Raab? Das einzige, was mir einfällt, ist die Theme-Musik. Die klang schon sehr nach ihm / TV Total. Aber der gesamte Rest? Da erkenne ich nichts wieder — da war selbst die vierundzwanzigste Ausgabe des TV Total Turmspringens mit den allerletzten C-Promis noch unterhaltsamer als das Ding des Jahres.

Die Antwort auf die, in der Show, so oft ausgesprochene Frage, “Was können sie am Besten gebrauchen?”, ist auf jeden Fall nicht “Das Ding des Jahres”. Vielleicht hätten sich die Programmchefs von ProSieben diese Frage mal stellen sollen.