Seit Jahren sammele ich alles mögliche, was in irgendeiner Weise zur Dokumentation meines Lebens hilfreich sein könnte. Dazu gehören unter anderem Konzert- und Kino-Tickets, Eintrittskarten, alles Mögliche, was im Urlaub so anfällt, Festivalbändchen und vieles mehr.

Im Jahre 2011 kam ich dann auf die Idee, dass es cool wäre, den ganzen Kram aus meiner Sammelbox zu entnehmen und in ein… Buch zu kleben. Wie man das halt so macht.

An einem verregneten Nachmittag (davon gehe ich mal aus, ich bestelle das Buch im Oktober) fing ich also an jedes dieser kleinen Andenken, das flach genug war um aufgeklebt zu werden, in dieses A4-Moleskine zu überführen. Angefangen bei meinem ersten Subway to Sally-Konzert im Jahr 2005, oder so, bis 2011.

Tatsächlich pflegte ich das Buch dann noch ein paar Monate weiter, auch 2012 wurde noch ziemlich komplett geklebt. Danach ließ ich es etwas schleifen und aktuell besitze ich das Buch und eine Box mit Kram, der da eigentlich rein müsste.

Nun gibt es aber folgende Probleme:

  1. So ein gebundenes A4-Moleskine ist auch nicht wirklich für solche Kleb-Arbeiten geeignet. Bereits jetzt ist es irgendwie vier mal so dick, wie es eigentlich sein sollte, und dabei ist es gerade mal zu einem Drittel gefüllt
  2. Viele Sachen aus der Zeit von 2012-2018 (wow, so viele Jahre schon?) habe ich nicht mehr, da ich zwischenzeitlich in diversen Anflügen von Aufräumen auch viele Dinge weggeworfen habe. Mein ehrgeiziges Ziel, jedes Kino- und Konzertticket aufzuheben und zu -kleben kann nicht mehr erreicht werden.
  3. Allgemein gibt es immer weniger Tickets als schöne Hard-Tickets. Ausgedruckte Eventim-Dinger muss ich irgendwie auch nicht aufkleben. Was aber dazu führt, dass das Buch nicht komplett ist.
  4. Eigentlich will ich auch nicht so ein fettes Buch, aus dem die Inhalte überstehen im Regal stehen haben

Hier bin ich mal wieder in der typischen Minimalismus-Zwickmühle. Was lohnt sich aufzuheben? Lohnt es sich überhaupt, die Zeit zu investieren, den Kram aufzukleben, oder sollte ich die paar schönen Tickets, die ich doch noch habe, einfach wegwerfen?

Schaue ich mir das Buch in seinem aktuellen Zustand an, freue ich mich schon, dass ich es angelegt habe und ich hab die Angst, dass mir das in Zukunft fehlen wird und ich mich dann frage, was ich wohl ab 2012 gemacht habe, weil ich keine Dokumentation darüber mehr habe.

Also klar, die besten Dinge sind eh im Kopf gespeichert und man sollte nicht so viele Andenken aufheben, die eigentlich nur emotionaler Ballast sind — gleichzeitig sind es halt gerade so kleine Dinge, die ich beim Durchblättern des Buches sehe, die erst die genaueren Erinnerungen im Kopf triggern. Die kommen ja nicht von alleine raus!

Soll ich meine Tickets scannen, und irgendwo auf dem Rechner ablegen, damit ich sie immerhin noch habe, falls ich sie mal verarbeiten will? Auch irgendwie sinnlos.

Am allerliebsten hätte ich für jedes Jahr so ein kleines Büchlein oder Heftchen, das mir jemand schön in Indesign layouted hat, in dem dann alles wichtige, was ich in dem Jahr erlebt habe drin ist. “Du warst auf 20 Konzerten:”, “Du warst 36-Mal im Kino”, eine kleine Zusammenfassung meiner Swarm-Checkins und top Instagram-Fotos. Und das ganze ausgedruckt und ins Regal gestellt, zu den Fotobüchern, die mich jedes Mal erfreuen, wenn ich sie angucke. Manche Sachen brauche ich einfach zum Anfassen.

Da ich es schon nicht schaffe, das Fotobuch ohne riesigen Zeitverzug zu produzieren, werde ich es natürlich auch niemals schaffen so ein Heftchen zu produzieren. Was mir bleibt ist also dieses nicht sehr volle A4-Moleskine. und mein Pritt-Stift.

Was sind eure Gedanken dazu? Sammelt ihr Konzert-Tickets? Was macht ihr mit der Sammlung? Sollte man einfach mit der Vergangenheit abschließen und alles wegwerfen?