Wie viele Kisten Bier braucht man für zwanzig Leute, oder: How to Geburtstagsfeier.

Letztes Jahr, als ich zusammen mit den letzten Gästen das Kaffee Stark verließ, war ich ziemlich überzeugt davon, dass ich meinen dreißigsten richtig… teuer feiern will. Schön im 20up, mit geilem Ausblick über die Elbe und Cocktails die 15€ kosten, und alle müssen schick angezogen sein!

Natürlich schaffte ich es nicht, mich darum zu kümmern, man muss da ja reservieren. Außerdem nervte mich die Vorstellung, dass man da mit tausend anderen Menschen ist, so viele Freunde hab ich ja doch nicht, um den ganzen Laden zu mieten. Also entschied ich mich für etwas ganz anderes, etwas, was ich noch nie getan habe: Wir feiern zuhause!

Der Vorteil, dass man danach einfach direkt ins Bett fallen kann, und sich nicht erst um ein Taxi bemühen muss, versteht sich von selbst. Der Nachteil allerdings auch: Man muss alles vorbereiten und aufräumen! Aber ich dachte mir, dass man das ja einmal im Leben machen kann. So oft wird man nicht dreißig!


Ich lass mich ja nicht lumpen! Wenn ich sowas plane, will ich auch etwas bieten, also überlegte ich mir zunächst den Grill-Plan, der ja leider nichts wurde. Die Alternative: Wir machen einfach Burger. Ich kaufte letztens ja dieses Veggie Burger-Kochbuch, daraus wollte ich eh noch ein paar Rezepte ausprobieren — neben Pattys gibt’s da nämlich auch Burgerbrötchen und alles, was man sonst so braucht.

Weil man von Burgern alleine natürlich nicht satt wird, dachte ich mir, ich mach noch eben zwei Salate, einmal diesen hier, den Chris mal beim Salatdonnerstag 🥗 bei Nerdlichter (We’re hiring!) gemacht hat und noch ein bisschen Taboulé, damit Max auch etwas essen kann.

Ein weiterer Vorteil: Wenn man zuhause feiert, kann man sich so viel Gin Basil Smash herstellen, wie man möchte. Diesen exquisiten Drink gibt es in Hamburg nämlich nur in Bars im eher hochpreisigen Segment, jedenfalls nicht im Kaffee Stark, dem bisherigen Ort der meisten Geburtstagsfeiern. Falls jemand keinen Basilikum mag, kann man auch easy Gin Tonic herstellen, denn der Gin ist ja immerhin schon mal im Haus!


Hätte ich eine Speise- und Getränkekarte erstellt, was ich eigentlich machen wollte, leider fehlte mir aber die Zeit — sonst hätte ich auch #knuspi30-gethemte Servietten drucken lassen (Das wär geil gewesen, aber auch ziemlich teuer in kleiner Auflage) — hätte sie so ausgesehen:

  • Cheeseburger aus feinstem Rinderhack, überbacken mit Cheddar, auf Dinkel-Quinoa-Bun, Tomaten und Eisberg-Salat.
  • Alternativ: Kichererbsen-Linsen, oder Linsen-Champignon-Patty
  • Brokkoli-Spinat-Salat mit Heidelbeeren
  • Taboulé mit optionalem Minzjoghurt
  • Gin Basil Smash
  • Gin Tonic
  • Ratsherrn Pilsener
  • Fritz-Cola & -Limo
  • Nachos mit Guacamole
  • Chips & Co

Der Plan war gefasst. Das Facebook-Event bestand schon seit letztem Jahr, ich lud also ein paar Leute ein, später noch mehr, weil ich dachte, dass man zum dreißigsten ja auch richtig fett auftragen kann und einfach mal mehr als 15 Leute einladen sollte!

Wie berechnet man nun, wie viele Zutaten man einkaufen muss? Das ist die wahre Kunst an der ganzen Geschichte. Wie immer, wenn ich nicht weiter weiß, legte ich erstmal ein Spreadsheet an und markierte, wer Vegetarier ist, wer vielleicht lieber Bier trinkt als harten Alkohol und wer gar nichts trinkt.

Ich berechnete, dass jeder exakt 1,15 Burger essen wird, dazu 1,5 Gin Basil Smash (im Folgenden GBS, sollte es noch einmal auftauchen) und 1,5 GT (na, ahnt ihr es, wofür die Abkürzung steht?). Bei der Bier-Berechnung war ich mir absolut unschlüssig und bat Max um Hilfe, für die Softdrinks beschränkte ich mich darauf, einfach eine Kiste mit 50% Cola und 50% Limo-Mix zu kaufen.


Hier also meine Einkaufsliste

  • 2,5kg Fleisch für ca. 16 Pattys (wurden 18)
  • Zutaten für 2× 6 Veggie-Pattys
  • Mehl und Kram für 20 Burger-Brötchen (wurden erst 16, später 20, am Ende eher 10, dazu später mehr)
  • 4 Avocado
  • Die Brokkoli-Salat und Taboulé jeweils in doppelter Menge, wie im Rezept angegeben
  • 2,5 Liter Gin
  • 6 Liter Tonic
  • 2 Kisten Bier
  • 1 Kiste Fritz
  • Chips, Nachos, etc etc
  • Kleinkram

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Menschen mit Gin Basil Smash, aus viel zu großen Bechern.

Warum schreib ich das jetzt alles auf? Um einmal wirklich fest zu halten, wie gut meine Berechnungen waren und wie viel jetzt übrig blieb. Normalerweise kauft man ja immer viel zu viel, ärgert sich und zehn Minuten später hat man alles vergessen, während man drei Kilo Salat mit vielen Tränen in die Biotonne gießt.

Also, fangen wir mal an:

Zusammengefasst: Meine Abschätzungen waren gar nicht so schlecht. Quoten von 30-50%, außer bei den Snacks. Die Berechnungen waren ja auch darauf ausgelegt, dass jeder, den ich eingeladen habe, auch erscheint — was für ein Trugschluss.

Von 22 Einladungen erschienen nämlich am Ende gerade mal 17, wenn ich mich nicht verzählte. Eine No-Show-Rate von über 20%. Wenn ich das beim nächsten mal besser einrechne, sehen die Zahlen auf jeden Fall besser aus.

Für zukünftige Feiern würde ich also von folgenden Zahlen ausgehen:


Achja, zu den Brötchen wollte ich was sagen. Ich probierte das Rezept aus dem oben genannten Buch mehrfach aus. Zunächst mit Vollkorn-Dinkelmehl, das schmeckte aber viel zu… gesund. Vollkorn halt!

Tage später probierte ich noch einmal normales Dinkelmehl und vielleich einen Tick mehr Salz und das Ergebnis überzeugte mich schon mehr.

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Der erste Versuch. Hier wären sie wahrscheinlich noch ein bisschen hoch gegangen.

Am Tag der Feier bereitete ich nun das 1,5-fache Rezept vor und verrechnete mich beim Aufteilen, sodass ich am Ende nur so 16 Buns hatte, obwohl das Rezept schon bei der normalen Menge von 18 sprach. Nachdem alles schon auf dem Backblech hoch gegangen war, entschied ich mich dafür nochmal alles schön zu kneten und kleinere Brötchen daraus zu formen. Zu allem Überfluss ließ ich diese nochmal gut zwei Stunden ruhen, bevor ich den Backprozess startete.

Eine dieser Entscheidungen war auf jeden Fall dafür verantwortlich, dass statt schöner Burgerbrötchen eher sehr flache Pita-Brote draus wurden, die zwar schmeckten, aber so dünn waren, dass man sie nur schwer aufschneiden konnte.

Ich hatte nun also ca. 10 halbe Burger-Brötchen und es war schon 19 Uhr. Glücklicherweise konnte ich Martin noch erreichen, der mir noch 12 normale Brötchen vom Bäcker mitbrachte, Retter in der Not!


Zum Thema GBS der Vollständigkeit halber hier noch das Rezept dazu. Keine Ahnung, wo ich es her hab, aber es schmeckt:

  • 5cl Gin
  • 2cl Zuckersirup
  • 3cl Zitronensaft
  • 8-16 Blätter Basilikum

Alles in einen Shaker, gemeinsam mit Eis, shaken, und den Basilikum schön raussieben. (Ein Stabiler Double Strain! Ich hasse diesen Begriff)

Nachdem ich 2-4 dieser Getränke auf die traditionelle Art und Weise hergestellt hatte, gab Chris mir den Tipp den Kram einfach im Mixer vorzubereiten. Also einen Baum Basilikum (ohne Erde), 200ml Zucker, 300ml Zitrone rein und schwupps, schon waren zehn Getränke fertig, geil! Noch schnell Gin und einen Eiswürfel dazu und fertig!


Als ich mir das alles ausdachte, hätte ich nie gedacht, dass ich fast den gesamten Freitag, bestimmt 6-7 Stunden, für die Vorbereitung brauchen werde. Puh!

Dafür hat es aber auch Spaß gemacht und anscheinend hat es auch allen gefallen, was es da so zu Essen und Trinken gab. Das heißt also, dass es die Mühe wohl wert war!

Trotzdem werde ich die nächsten fünf Jahre wahrscheinlich wieder im Kaffee Stark verbringen, oder im 20up, wenn mir früher einfällt, dass ich Geburtstag habe.

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Eine Geburtstagstradition, die ich seit letztem Jahr versuche umzusetzen ist es, mit jedem Gast ein Foto zu machen, so richtig, mit der Kamera, nicht nebenbei. Meistens, kurz bevor sie gehen. Einfach nur für mein privates Album. Das wird sicher cool, wenn man das ein paar Jahre schafft!

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Zum Schluss noch das Wichtigste, ein großes Danke an alle:

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