Oculus Go

Manchmal bin ich wirklich ein Extrem-Late-Adopter. So zum Beispiel beim Thema Virtual Reality. Wann kam die erste Oculus und die erste HTC Vive raus? Gefühlt vor Ewigkeiten.

Ich hatte nie Lust so viel Geld auszugeben um ein Produkt zu testen, das in den Kinderschuhen steckt und es hat mich auch nicht so sehr gereizt, das ich motiviert genug gewesen wäre, Freunde zu besuchen, die verrückt genug waren direkt am Anfang so ein Gerät zu erwerben.

Nun begab es sich, dass vor ein paar Monaten die Oculus Go rauskam, ein standalone VR-Gerät, mit dem man sich den ganzen Kram mal angucken kann, ohne 800€ für die Brille und 2.000€ für einen Gaming-PC auszugeben.

Ich war kurz gehyped und überlegte schon, ob es wohl 300€ Wert sein könnte, las ein paar Reviews, die sagten, dass es ganz ok ist, aber doch wesentlich schlechter als die teuren Brillen und legte die Idee erstmal zur Seite.


Wochen später: Ich werde auf Grover aufmerksam gemacht. Dort kann man Kram mieten, auf Monatsbasis. Sie haben die Oculus Go im Angebot und ich finde noch einen Gutschein und denke mir, dass endlich die Zeit gekommen ist, um die Geschichte mal auszutesten.

Ich bestelle also, warte mehr als eine Woche, obwohl von einer 3-6-tägigen Lieferzeit die Rede ist und am Ende ist der Postmann auch noch zu faul die paar Treppenstufen bis zum Büro zu laufen – und einen Zettel in den Briefkasten zu legen. Wie auch immer. Samstags gehe ich also zur Post, hole das viel zu große Paket ab und packe den Kram aus. Das Paket ist noch zugeschweißt, also hatte anscheinend noch keiner die Brille auf. Oder Grover verschweißt einfach wieder alles.


Ausgepackt, geladen, Oculus App geladen. Die Einrichtung verläuft relativ problemlos, bis auf das 50-sekündige Sicherheitsvideo, das man angucken muss, ohne die Möglichkeit es zu skippen. Laaame. 50 Sekunden meines Lebens!

Ich hab natürlich keine Lust im umfangreichen Oculus Shop noch mehr Geld auszugeben, also lade ich mir erstmal Netflix und die erste Achterbahn-App, die ich finden kann.

Brille auf und die Enttäuschung kann beginnen.

Die Displays sind so schlecht, so unglaublich schlecht. Es wirkt, als würde man mit 30cm Abstand vor so Röhrenfernsehern aus den 80er Jahren sitzen. Riesige Pixel. Also ich weiß, dass Röhrenfernseher keine Pixel haben, aber wenn man da ganz nah rangeht, sieht man ja schon einzelne unscharfe Bildpunkte und genau so sieht es in der Go aus.

Die Achterbahn-App ruckelt mega, und läuft gefühlt mit 15 FPS. Ich hatte mich auf verrückte VR-Gefühle gefreut und dachte, ich falle vielleicht vom Stuhl, so wie man das kennt. Bei 15 Frames pro Sekunde und den riesigen Pixeln kommt allerdings keine Achterbahn-Atmosphäre auf. Statt vom tollen VR-Gefühl wird mir eher Übel vom Ärger darüber, dass ich auch noch Geld für diesen Mist bezahlt habe!

Ich probierte noch ein, zwei andere von den kostenlosen Games, die alle ebenfalls ziemlich langweilig waren, oder ruckelten, oder beides.

Zum Schluss schaute ich mir noch Netflix an. Erstmal muss man natürlich sein sehr langes Passwort über eine mittelmäßige VR-Tastatur eingeben, danach landet man in einer Art virtuellem Wohnzimmer, mit großer Leinwand. Man sitzt allerdings so nah, dass man den Kopf nach unten neigen muss um Untertitel zu lesen, ansonsten sind sie total verzerrt. Das selbst HD-Serien aussehen, wie aus den 80er Jahren ist bei der bereits angesprochenen Display-Auflösung natürlich klar.


Ich hab das Ding zwar für einen Monat gemietet, aber ich denke, ich packe es jetzt wieder ein. Davon, dass es ein großer Haufen stinkendes Plastik ist und sich anfühlt, wie eine Mickey Maus-Heft-Beilage, will ich mal gar nicht anfangen.

Jaa, klar, werden jetzt einige sagen, es ist halt das Low-Budget-Einsteigerding. Mag sein. Vielleicht sind meine Augen auch einfach zu Retina-Display verwöhnt und ich bin ja generell nicht so einfach zu begeistern. Mir hat das Produkt auf jeden Fall keine Lust gemacht, jetzt 800€ für ein richtiges VR-Produkt auszugeben, und das sollte doch wahrscheinlich das Ziel sein?

Wie auch immer. Vielleicht schaue ich mir, wenn die Zeit reif ist, nochmal ein richtiges VR-Headset an einem teuren Gaming PC an und falle bei einer Achterbahnsimulation vielleicht auch vom Stuhl, wie es sich gehört. Die Go kann ich auf jeden Fall nicht empfehlen.

Wenn ich lese, dass zu einer Veranstaltung das Mitbringen von Fingerfood erwünscht ist, denke ich immer zuerst an Fischstäbchen. Vielleicht, weil sie auf Englisch Fish Fingers heißen. Die Vorstellung, dass man am Ende mit einer Pfanne Fischstäbchen im Rucksack ankommt, finde ich allerdings ziemlich absurd. ✌🏻

Side-Project-Tagebuch: recex (2)
Facettensuche mit RediSearch

Ihr kennt das. Man sucht beim Onlinehändler seines Vertrauens nach Schuhen, gibt einen Suchbegriff ein und neben den Suchergebnissen erscheinen weitere Filteroptionen, mit denen man das Ergebnis weiter einschränken kann. Damit man direkt bescheid weiß, steht auch direkt daneben, wie viele Suchergebnisse es für diesen Filter noch gibt.

Diesen Quatsch nennt man gemeinhin Facettensuche und an und für sich ist das eigentlich ganz praktisch. Leider ist es nicht mal eben durch den Aufruf von zwei PHP-Funktionen implementiert, daher habe ich bisher immer davon abgesehen, so etwas bei einem einer Side-Projects einzubauen. Also klar, es ist auch nur in wenigen Fällen sinnvoll, aber zum Beispiel fin, meine Finanzverwaltung, könnte sowas sicher gebrauchen.

Nun beschäftige ich mich seit gestern ja mit meinem neuen Projekt recex und natürlich soll man da auch nach Rezepten suchen können. Von Anfang an war mir da klar, das ich auch direkt nach Zutaten suchen will und nicht nur wildes Matching von Wörtern im Rezepttitel haben möchte.

Glücklicherweise basiert das Backend von recex auf Blogchain — ich kann also mit Fug und Recht behaupten, meine Rezepte in einer Blogchain zu speichern — und das bedeutet, RediSearch ist bereits angebunden, wie schwer kann es also sein, die Suche entsprechend umzustricken?

Index anlegen

Als erstes musste ich einen neuen Index anlegen. Neben Titel und Text (in dem Fall die Zubereitungsschritte des Rezepts) möchte ich auch Tags (“hellofresh“, “wegtuppern“) und Zutaten (“Zwiebel“, “Kartoffel“) indizieren. Leider unterstützt ethanhann/redisearch-php das Tag-Feld noch nicht, also erstelle ich den Index manuell per redis-cli:

FT.CREATE recipes SCHEMA title TEXT text TEXT ingredients TAG SORTABLE tags TAG SORTABLE

Das Indizieren der Rezepte ist wieder easy gemacht, denn dabei sind die TAG-Felder nur Komma-separierte Strings. Das funktioniert also über die PHP-Library

Query

Die Query-Syntax ist leider etwas kompliziert. Das RediSearch-Feature, mit dem wir unsere Facetten bauen heißt Aggregations und ist ziemlich mächtig.

Die Query sieht am Ende etwa so aus:

FT.AGGREGATE recipes "*" APPLY split(@tags) AS tag GROUPBY 1 @tag REDUCE count_distinct 1 @tag AS count SORTBY 1 @count DESC

Die Dokumentation ist zwar eigentlich gut, ich brauchte aber trotzdem einen Moment, bis ich hier auf die richtige Kombination von Wörtern kam. Also:

Etwas verwirrend: Man muss vielen Befehlen (GROUPBY, REDUCE, etc) sagen wie viele Argumente folgen. Daher die ganzen 1-er. Fand ich am Anfang etwas verwirrend, ist aber wohl eine Limitierung des Redis-Command-Syntax.

Leider kann die PHP-Library auch diese Aggregations noch nicht, daher musste ich die Query auch händisch in meinen Code aufnehmen, was ganz fürchterlich aussieht, weil rawCommand jedes Wort einzeln erwartet, warum auch immer:


$result $redis->rawCommand('FT.AGGREGATE''recipes'$query,
    
'apply''split(@tags)''as''tag',
    
'groupby''1''@tag',
    
'reduce''count_distinct''1''@tag''as''count',
    
'SORTBY''1''@count''desc'
);

Update: Die Library kann doch schon Aggregations, ich war nur zu Blöd es zu finden 😇

Das Ergebnis ist auf jeden Fall ein Array, mit allem, was wir wissen wollen. So einfach! Ist es nicht schön?

Zusammen mit einem kleinen Query-Parser kann man sich sowas bauen, und fröhlich nach Rezepten suchen:


RediSearch ❤️

IMG_0513.jpg

Bisschen übertrieben dieser “Morning“-Filter von Snapseed, aber auch ganz schön.

Side-Project-Tagebuch: recex (1)

Also, der Name ist natürlich noch Work-In-Progress. Ich fand es witzig, weil es wie “regex” klingt. Aber natürlich hat der Recipe Explorer erstmal nichts mit Regulären Ausdrücken zu tun.

Folgendes Problem: Seit mehr als einem Jahr ernähren wir uns eigentlich fast nur noch von Gerichten, die über eine der mittlerweile über einhundert HelloFresh-Rezeptkarten gekocht wurden. Das ist an und für sich ziemlich gut, denn, wenn es ans Einkaufen geht, geht man halt zum Stapel, zieht ein paar Karten und sucht sich aus, was man essen will — im Grunde fast so, wie die wöchentliche Wahl der drei Gerichte auf der HelloFresh-Webseite (ja, für neue Inspirationen, und aus Faulheit, kommt da immer noch fast jede Woche ein Paket).

Umso mehr Karten es werden, wird es natürlich immer anstrengender. Die Stapel werden groß und schwer und man hat keine Lust mehr sie zu transportieren. Außerdem ist es nervig, die Zutatenliste immer von Hand abzuschreiben und bei vielen Rezepten haben wir mittlerweile Sachen verbessert, die natürlich einfach mit Kuli auf den Zettel notiert wurden.


Als ich Blogchain baute, kam ich schon mal kurz vom Pfad ab und schrieb zumindest ein paar Templates um auch Rezepte anzeigen zu können. Des Weiteren baute ich ganz viel Quatsch, z.B. etwas, das alle Vorkommnisse von Texten wie “für 10-15 Minuten in den Backofen” automatisch durch einen “Timer starten” Button ersetzt. Spielerei!


Ein großer Roadblock war für mich bisher, das ich keine Lust hatte 100 Rezepte abzutippen. Heute fiel mir ein, manchmal braucht sowas bei mir echt lange, dass die HelloFresh-Webseite ja eine (mittelmäßig gut funktionierende) Single-Page-App ist und damit sicher eine REST-API hat, über die man sicher alle Rezepte strukturiert ziehen kann. Denn auf der Webseite sind sie ja auch sichtbar!

Es dauerte keine 30 Minuten und ich hatte alle Rezepte aus der API gepult und lokal zur weiteren Verarbeitung gespeichert. Ein Hoch auf JSON-APIs! Falls ihr ähnliches vorhabt, viel Spaß, die eine Zeile file_get_contents-PHP-Code muss ich wohl nicht auf Github stellen 🤓


Natürlich ist das nur die halbe Miete. Die Datenbasis musste etwas aufgehübscht werden (z.B. gibt es ca. 25 verschiedene Zutaten namens “Salz”), und natürlich brauchte ich ein Interface, das die ganzen Rezepte jetzt anzeigt, ein “Zeig mir zufällig sechs Stück, damit ich drei auswählen kann”-Feature und, das allerwichtigste: Einen Einkaufslisten-Generator, der automatisch alles zusammenfasst und mit einem Button-Klick alles in die “Supermarkt”-Liste in Todist schickt.

Tja, und wie das alles aussieht, zeige ich euch beim nächsten Mal, denn statt den Todoist-OAuth zu implementieren, schrieb ich gerade diesen Post!