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Bye, bye, Twitter

Im Dezember 2008 registrierte ich meinen Twitter-Account und in den Jahren danach änderten sich sehr viele Dinge in meinem Leben. Also zum Einen ist das natürlich normal, dass sich im Leben eines zwanzig Jahre alten Menschen Sachen ändern, aber ich bin mir recht sicher, dass Twitter einen großen Einfluss darauf hatte, in welche Richtung sich alles veränderte.

Nachdem die ersten Jahre nicht so viel los war, bildeten sich später langsam Grüppchen und ich lernte die Hamburger Twitter-Blase kennen. Fast alle meine aktuellen Freunde kenne ich aus diesen ersten Tagen, ich zog deshalb nach Hamburg und seit 2012 gestaltete sich auch meine berufliche Karriere – zuerst QUOTE.fm und dann Nerdlichter – über meine Twitter-Bekanntschaften.

Wie mit vielen schönen Dingen im Leben, ist es aber irgendwann vorbei. In den letzten Jahren habe ich mich schon zum großen Teil zurückgezogen und nichts mehr geschrieben, weil der Vibe einfach fehlte. Ich hab zwar meine 1.300 Follower ganz gut über eine lange Zeit gehalten, aber mittlerweile sind es wahrscheinlich 90% Bots und ebenfalls User, die keine Lust mehr haben. Ganz abgesehen davon, wie groß und wichtig Twitter für das gesamte Tagesgeschehen geworden ist. Damals, als ein paar Musiker oder andere Promis Twitter für sich entdeckten, war das ja alles noch ganz lustig und man fühlte sich den Leuten irgendwie nahe, Twitter ist einfach nicht mehr das kuschelige kleine Nest im Internet.

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Ende 2020 malte ich offensichtlich mal diesen traurigen Vogel auf meinem iPad, den mir Photos.app bei der Suche nach “Bird” sofort anzeigte, verrückt. Ich dachte schon, ich werde Stunden nach dem passenden Foto suchen, mit dem ich diesen Post illustrieren kann.

Jedenfalls richtete ich letztens mein iPhone 13 ein, und weil ich etwas doof und ungeduldig war, nutzte ich nicht den Weg, der die Login-Passwörter und -Tokens erhalten hätte, sondern das iCloud-Backup-Restore, mit dem Ergebnis, dass ich in Tweetbot ausgeloggt war. Ein erneutes einloggen gelang mir bisher nicht, nach dem Oauth-Dialog gibt es immer eine kaputt aussehende API-Error-Seite von Twitter. Schade.

Das ist jetzt fast einen Monat her, ich habe nun also schon so lang wie vorher noch nie in meinem Leben nicht auf Twitter mitgelesen und — und damit ein großes Sorry an alle Leute, denen ich folge – mir fehlte (fast) nichts. Ich hatte zwar schon vorher eine sehr gut kuratierte Timeline, ich bekam die meisten nervigen Shitstorms und so eh nicht mit, aber auch der verbliebene Rest war anscheinend so langweilig, dass er mir nicht wirklich fehlt.

Ich denke, das war es nun also mit uns, Twitter. Ich werde vielleicht nochmal so einen automatischen RSS-to-Tweet-Dings anklicken, damit diese Blogposts ihren Weg in die Twitter-Blase finden, da ich schon das Gefühl hab, dass mehr Leute meinen Kram hier lesen, wenn ich ihn bei Twitter poste, aber letztendlich finden meine Worte schon ihren Empfänger, ohne, dass ich sie auf Twitter werfen muss.


(Übrigens kann man bei Feedbin direkt auch Twitter-Accounts abonnieren, sodass ich mir da die paar Accounts, die ich wirklich noch gerne lesen will, nun einfach im RSS-Reader anschauen kann)

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