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Er bloggt noch? Krass!

Ostsee-Resort Olpenitz

Vor einiger Zeit entschlossen wir uns, dass man ja mal wieder Urlaub machen könnte, nach gefühlten zweihundert Jahren mal wieder das Meer sehen und etwas in der Strandmuschel am Strand abhängen. Die gute alte Reka Kohu von Terra Nation war wirklich ein extrem guter Kauf, damals, 2018 oder so. Ich kann nur empfehlen, einmal im Leben mehr als 10€ für ein solches Strand-Must-Have auszugeben. Allein für Fotos lohnt es sich, wenn man nicht das grellgrüne Billigmodell aus dem Strandkiosk kaufen muss.


Zurück zur Ostsee! Auf der, wie immer kurzfristigen, Suche nach einer Unterkunft fiel die Wahl am Ende auf ein schönes Appartement im Ostsee Resort Olpenitz. Klingt nach einem Projekt von Investmenthaien mit Goldrolex und ist es wahrscheinlich auch — bis 2006 war das Areal nämlich ein Marinestützpunkt und seit 2009 werden da ein paar tausend Ferienwohneinheiten aus dem Boden gestampft. Wie es sich für sowas gehört, war zwischendurch auch alles schonmal insolvent und das Fertigstellungsdatum 2012 konnte auch nicht so ganz gehalten werden, denn auch in diesem Jahr, knappe 10 Jahre später, war noch die Hälfte voll mit Baustellen, aber ich will mal nicht zu weit vorgreifen.

Wir kamen jedenfalls an einem beschaulichen Freitag Abend an und ich hatte große Pläne. Ausräumen, direkt noch vor 19 Uhr einkaufen, und das ganze Wochenende nichts zu tun haben. Urlaub, quasi. Leider klappte das nicht so gut – das Housekeeping hatte das Appartement nicht gereinigt. Schade. Nach etwa dreißig Minuten hatten wir immerhin eine andere Wohnung, allerdings nur für eine Nacht.

Ich, in meinem Service-verwöhnten Gehirn hatte mir schon ausgemalt, dass wir aufgrund des Faux Pas für die gesamten elf Nächte auf das doppelt so teure Dachgeschoss-Loft mit direktem Meerblick und Champagner-Whirlpool geupgradet werden. Pustekuchen, eine Nacht in einem kleineren Appartement sollte es sein.

Also gut. Alles schon ausgepackte wieder einpacken, umparken, auspacken — wenn man mit dem Auto zu einer Ferienwohnung fährt, packt man ja selten super effektiv, sodass man im Fall einer Notübernachtung nur ein kleines Notübernachtungsköfferchen mitnehmen muss. Selbstverständlich muss man den halben Hausstand in die Not-Unterkunft buchsieren, weil Unterhose, T-Shirt, Zahnbürste und Socken in verschiedenen Packing Cubes gepackt sind. Zum Einkaufen war es mittlerweile auch zu spät und ich hatte auch keine Lust einen Wochenendeinkauf zweimal einzuräumen.

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Als wir es am ersten Tag an den Strand schafften, war es schon dunkel!

Am Nächsten Tag sollten wir asap Zugriff auf unsere eigentlich gebuchte Wohnung bekommen, aber nachdem sich um zehn Uhr immer noch niemand gemeldet hatte, rief ich mal an und erkundigte mich. Jaja, gleich fertig. Und natürlich wartet noch eine kleine Aufmerksamkeit auf sie! Mein Service-verwöhntes Gehirn ging an dieser Stelle eigentlich davon aus, dass man mir freudestrahlend übers Telefon mitteilen wird, dass uns selbstverständlich ein 25%-tiger Rabatt gutgeschrieben wird. Tatsächlich musste ich quasi darum betteln und die zunächst angebotene kostenlose Endreinigung ablehnen, bis wir uns auf 10% Rabatt einigen konnten für den verlorenen Urlaubstag. Kommt ja ungefähr hin und ist fair.

Etwas später konnten wir endlich übersiedeln und uns die Wohnung genauer angucken. Die kleine Aufmerksamkeit war eine Flasche Wein für 6,50€ und ne Packung Bonbons — also, nicht, dass ich hier undankbar wirken will, aber warum wird bei sowas immer davon ausgegangen, dass man Alkohol trinkt? Die Bonbons waren aber lecker.

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Morgendlicher Blick aus der Zwischenwohnung.

Bei der Buchung hatte ich mal wieder den kapitalen Fehler begangen, die Beschreibung nicht super-genau zu studieren. Ja, Ostsee-Blick. Gut, aber nur von einem der Balkons ein bisschen seitlich. An keinem der Urlaubstage war Balkonwetter, also schauten wir beim Frühstück immer nur auf die anderen Ferienhäuser. Ist jetzt kein Beinbruch, aber einmal im Leben will man vielleicht doch mal eine Wohnung, die wirklich richtigen Meerblick hat vom Esstisch aus. Aber wie gesagt — vollständig mein Fehler, es war an den Fotos so zu erkennen.

Ansonsten konnte ich an der Behausung nichts aussetzen. Baujahr dürfte so 2018 oder 2019 gewesen sein, es ist noch alles halbwegs gut in Schuss und funktionierte alles. Die Fußbodenheizung verwirrte mich, so wie jede Fußbodenheizung in meinem Leben. Entweder zu heiß, oder zu kalt, oder es wird nicht das Zimmer warm, in dem man das Thermostat hoch dreht, die Klassiker halt. Die Küche war sehr gut ausgestattet, am besten gefiel mir das Schubfach, in dem so eine 30€-Sammlung von Küchenhelfern war. Pfannenwender, Kellen, Schaumlöffel, etc. Da waren Dinge dabei, die ich in meinem Leben noch nie sah und auch nicht wusste, was ich damit machen soll. Ansonsten war auch alles da, was man braucht, nur das Küchenradio hätten sie sich sparen können. Frage mich, in welche Preisklasse man noch aufsteigen muss, um eine Wohnung mit Sonos zu bekommen, statt einem CD-Radio aus dem Rossmann-Angebote-Regal.

Natürlich gab es in jedem Raum einen Fernseher und seitdem ich die Bekanntschaft mit denen machte, hoffe ich, dass meiner zuhause noch lange hält, denn das Interface eines modernen Samsung-Flachbildschirms ist echt… gewöhnungsbedürftig. Immerhin musste man es nicht soviel anfassen – der moderne Reisende von heute hat ja seinen Apple TV dabei (und die Remote vergessen).


Mein besonderes Hobby ist ja in Neubauten nach Baupfusch zu suchen und an und für sich sah alles eigentlich ganz ok aus, aber so ein paar Sachen kamen mir schon spanisch vor. Ich glaube, ich werde niemals ein Haus bauen können, weil das Level an Perfektion, was ich mir wünschen würde, wohl unbezahlbar sein würde. Bei so einer Ferienbutze, die konstant von irgendwelchen unberechenbaren Leuten, teilweise mit Haustieren, bewohnt wird, ist wahrscheinlich die Detailverliebtheit des Bauherren auch begrenzt und der Pfusch wird einfach so gelassen.

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An einem anderen Tag konnte ich diese Baustelle bei Licht fotografieren!

Ebenfalls etwas, was ich mir sehr wünschte, weil ich sehr faul bin, war die beworbene Strandnähe der Unterkunft. Wenn man nach unendlicher Zeit mal wieder ans Meer fährt, bitte mit Strand vor der Haustür. Tatsächlich stand in der Anzeige auch irgendwas von, dass der Strand nicht weit weg war und wenn man einen Blick auf Google Maps warf, sah es auch erstmal alles gut aus, aber da hat man die Rechnung ohne das Baustellenresort Olpenitz gemacht. Natürlich ist auf den 428 Metern, die die Wohnungstür vom Strand trennen eine Großbaustelle, die den Weg komplett blockiert. Auf beiden Seiten groß abgesperrt mit Bauzaun, kein Durchkommen. So musste man jedes Mal, wenn man zum Strand wollte einen Umweg von mehreren Metern in Kauf nehmen. Ich habs mal nachgemessen und es sind genau zweihundert Meter gewesen!


In direkter Nähe gibt es einen wunderschönen Edeka mit Blick aufs Wasser und guter Bestückung, einen Fahrradverleih, der bisher nur in einem grünen Container ist und eine Ciao Bella-Filiale, die überraschend gute Pizza und Salate macht. Leider liefern sie nicht und man hat ständig einen Alexander Marcus-Ohrwurm. Allgemein wäre hier ein Lieferservice für Lebensmittel doch sicherlich eine Goldgrube. Würde ja reichen, wenn es hier zwei feste Wochentermine für einen Rewe-Lieferservice gäbe. Wäre ein Komfort-Plus!

Zwischendurch ist wirklich noch viel Bautrubel. Es ist nicht sonderlich laut und wenn man auf Baufahrzeuge steht, kommt man hier im Urlaub auch noch voll auf seine Kosten, aber gleichzeitig ist es halt auch irgendwie nervig, das alles so halb-fertig ist, nicht nur, weil man deswegen weiter zum Strand laufen muss, das verbreitet so ein unruhiges Gefühl!

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Puh, wenigstens ein Foto vom Strand.

Insgesamt war es aber ein toller Urlaub nach der langen Corona-bedingten Urlaubspause. Das Wetter war wechselhaft aber oft hatte es auch gute Phasen und kleine Ausflüge nach Kappeln, der nächst größeren Stadt (mit einer Brücke, die aufgeht, damit Schiffe die Schlei entlang fahren können!!), oder nach Eckernförde sorgten für einen abwechslungsreiches Erlebnis. Ein Satz, wie aus einem Werbeprospekt.

Tatsächlich fuhren wir hauptsächlich direkt am Montag nach Kappeln, weil ich es schaffte, lediglich zwei kurze Hosen und eine Sporthose einzupacken. Früher war ich mal gut im Packen. Naja. Wer‘s nicht im Kopf hat hat es bekanntlich in der Brieftasche und daher musste ich mir halt eine neue Hose kaufen. Ich glaube es selbst nicht, aber tatsächlich fand ich sofort sogar zwei Modelle, die mir zusagten und die auch passten. Eins der Highlights des Urlaubs.

Nun hoffe ich mal, dass ich irgendwann meine 10% Rückzahlung auch noch überwiesen bekomme, oder ob sich mein Service-verwöhntes Gehirn nochmal dazu durchringen muss, anzurufen. Davon ist auch etwas abhängig, ob wir dieses Resort nochmal besuchen — mit echtem Meerblick vielleicht.

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